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Was bewegt die Menschen in Frankenthal?

Was läuft gut, was läuft schlecht? Vor der Kommunalwahl am 26. Mai schaut sich in den Städten und Gemeinden um. 

KNACKPUNKT: Gern würde Frankenthals Bürgermeisterin Janine Bansner den Bebauungsplan „An der Beigutstraße“ reaktivieren. Doch das ist ins Stocken gekommen. © Steffen Unger

Frankenthal. Frankenthal punktet mit dörflicher Idylle. Aber nicht nur. Die kleine 937-Seelen-Gemeinde hat Potenzial, weiß Bürgermeisterin Janine Bansner. Und das liegt vor allem im Bürgerengagement. Auch in politischer Hinsicht. „Immerhin zwölf Kandidaten bewerben sich um 10 Plätze im Gemeinderat“, freut sich die Gemeinde-Chefin. Dass man für zwei aus Altersgründen aus dem Gemeindeparlament ausscheidende Räte Nachfolgekandidaten gefunden hat, sei keine Selbstverständlichkeit. Ebenso toll ist, dass auch jüngere Frankenthaler in die Kommunalpolitik einsteigen wollen.

Ottmar Peter ist einer der alten Hasen im Rat. Er sieht Arbeit in Sachen Verkehrspolitik, wünscht sich Tempo 30 an der Schule, einer Engstelle Richtung Bretnig und an einer sehr unübersichtlichen Stelle der Hauptstraße. Da will er dran bleiben. Denn dafür müsse man dem Landratsamt auf den Füßen stehen. Neuling Armin Groh will vor allem Kita und Schule unterstützen, die Zusammenarbeit der Einrichtungen mit Feuerwehr und Vereinen stärken.

PLUSPUNKT: Die nahezu abgeschlossene Sanierung der Frankenthaler Turnhalle ist ein positives Beispiel für Geldausgeben mit Weitblick. © Steffen Unger

Janine Bansner freut das Engagement. Die 43-jährige Rechtsanwältin leitet seit November 2017 ehrenamtlich die Geschicke des Örtchens. Durch die Verwaltungsgemeinschaft mit Großharthau sei dies ganz gut händelbar. Nur so konnte Frankenthal seine Eigenständigkeit behalten, gleichzeitig aber Verwaltungsaufgaben an die Fachabteilungen in der Großharthauer Verwaltung abgeben. An der Eigenständigkeit will die kleine Gemeinde festhalten. Denn, die Größe, die dem Freistaat für eigenständige Kommunen vorschwebt, würde man selbst mit einer Fusion mit Großharthau nicht erreichen. Bliebe letztlich nur das Zusammengehen mit Bischofswerda. „Aber dort wären wir nur ein bedeutungsloses Anhängsel.“ Das würden möglicherweise auch die vielen aktiven Frankenthaler Vereine nicht mitmachen.

Wichtigste Voraussetzung für die weitere Selbstständigkeit sei, „dass wir mit unseren Finanzen hinkommen.“ Sprich: Ein ausgeglichener Haushalt. Der sei manchmal mit heißer Nadel gestrickt, verrät Janine Bansner. Denn, dass man im Geld schwimmt, kann Frankenthal nicht behaupten. Die 70 Euro pro Einwohner, welche die Gemeinde seit vorigem Jahr und noch bis 2020 vom Freistaat zur Stärkung des ländlichen Raumes bekommt, seien zwar „eine Hilfe, aber nicht die Rettung an sich.“ Denn die To-do-Liste der Gemeinde ist lang. Die Wunschliste ebenso. Da muss man bei Investitionen klug abwägen.

Als Wohnstandort gefragt

Ein positives Beispiel für Geldausgeben mit Weitblick sei die Sanierung der Turnhalle, die fast abgeschlossen ist. Derzeit fehlt es noch an den Sportgeräten. Wegen zwischenzeitlicher Insolvenz des Lieferanten musste die Gemeinde die Vergabe neu ausschreiben. In der zweiten Jahreshälfte wird noch die Heizung von Öl auf Erdgas umgestellt. Die Frankenthaler würden auch gern in die Reaktivierung des noch aus den 1990er Jahren stammenden Bebauungsplanes „An der Beigutstraße“ investieren, erklärt die Bürgermeisterin. Denn es gebe ständig potenzielle Häuslebauer, die in der Gemeinde nach Bauland fragen. Kein Wunder. Die Frankenthaler Bürgermeisterin sieht ihre Gemeinde schon zum Speckgürtel der Landeshauptstadt zugehörig.

Doch leider könne die Verwaltung solche Entscheidungen nicht allein treffen. Da redet der Freistaat ein Wörtchen mit. Und der legt sich noch quer, bremse die Verwaltung aus. Eine Situation, die auch ihr Großharthauer Amtskollege kennt. Um jedes Baugebiet, welches man plane, gebe es ein zähes Ringen. „Man sagt, wir würden das Land zersiedeln.“ Dabei brauche man die Ansiedlung von jungen Familien. „Wir sehen die Demografie und wollen kommunalpolitisch gegensteuern.“ Mit der 2002 wiedereröffneten Schule – die sich seitdem in freier Trägerschaft befindet – und der AWO-Kita sei man infrastrukturell gar nicht so schlecht aufgestellt. Daran habe ihre Vorgängerin Kerstin Otto entscheidenden Anteil. Genauso, wie am Ausbau der durch den Ort führenden Staatsstraße. Was im Ort fehlt, sei ein Arzt. Bis vor Kurzem habe Frau Dr. Kochan in Frankenthal eine Zweigstelle ihrer Praxis betrieben. Die gab sie wegen kassentechnischer Probleme mit dem Abrechnungssystem auf. „Das bedauern wir sehr.“ Vor allem, weil gerade ältere Frankenthaler nun bis Bischofswerda müssen. Leider habe die Gemeindeverwaltung keinen Einfluss auf solche Entscheidungen.

Konstruktive Zusammenarbeit gewünscht

Was die Kommune aber entscheiden kann, ist beispielsweise eine Flurneuordnung. So eine Maßnahme würde eine Menge für den Ort bringen, „aber auch mal eben locker 20 Jahre dauern.“ Ob man das will, darüber müsse der Gemeinderat beschließen. Möglicherweise dann schon der neue. Janine Bansner wünscht sich, dass die Zusammenarbeit mit den neuen Räten so konstruktiv bleibt wie bisher, wo es immer um die Sache und nie um Befindlichkeiten ging. Bei den bisherigen Wahlen gab es nur eine Liste. Die von der CDU, für die sich auch viele parteilose Frankenthaler aufstellen ließen. Nun hat die SPD mit ihrem Mitglied Armin Groh erstmals eine eigene Liste aufgestellt „Ich hoffe, dass die Arbeit jetzt, mit zwei Listen, nicht anders wird. Aber ich bin da ganz optimistisch.“

Zwölf Kandidaten stellen sich in Frankenthal zur Wahl
CDU

1. Rarisch, Andreas (*1964), Zimmerermeister, Frankenthal
2. Baumert, René (*1975), Dipl.-Ing. Strahlenschutz, Frankenthal
3. Erwig, Ronald (*1983), Maurer, Frankenthal 
4. Höhne, Oliver (*1992), IT-Systemelektroniker, Frankenthal 
5. Korb, Stefan (*1985), Sachbearbeiter Wirtschaft Gesundheitswesen, Frankenthal 
6. Kunath, Uwe (*1977), Dipl.-Betriebswirt (BA), Frankenthal 
7. Kurze, Manuela (*1975), Finanzbeamtin, Frankenth. 
8. Peter, Ottmar (*1966), Mitarbeiter Garten-/Landschaftsbau, Frankenthal 
9. Parisch, Jürgen (*1983), Kraftfahrzeug-Mechaniker, Frankenthal 
10. Winkler-Lehmann, Friederike (*1964), Fachkrankenschwester Intensivmedizin, Frankenthal 
11. Zschiedrich, Uwe (*1972), Sozialvers.-angestellter, Frankenthal

SPD

1. Groh, Armin (*1966), Fernmeldehandwerker, Frankenthal

Quelle: SÄCHSICHE.DE/Sächsische Zeitung, Manuela Paul
Mittwoch, 17.04.2019
Link: https://www.saechsische.de/plus/was-bewegt-die-menschen-in-frankenthal-5061395.html

Frankenthal im Nebel